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Frauen in der Türkei: Unterdrückt, Geschlagen, Ermordet

Frauen sind die weltweit am stärksten unterdrückte gesellschaftliche Gruppe. Während in Länder wie Deutschland die politischen wie gesellschaftlichen Verhältnisse Frauen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten im Zuge der Selbstbestimmung einräumen, sind es vor allem islamisch geprägte, patriarchalisch verhärtete Gesellschaften, die für Frauen eine lebenslängliche Hölle der gesellschaftlichen Unterdrückung bedeuten. So auch in der Türkei. Eine alte türkische Volksweisheit besagt: „Der Bauch der Frau braucht einen Soldaten, der Rücken der Frau braucht einen Prügelstock“.

Am Samstag den 29.07.2017 gingen mehrere Hundert Frauen in Istanbul auf die Straße, um gegen Gewalt und das Tragen traditioneller Kleidung zu protestieren. Zusätzlich schlossen sich LGBT-Vertreter und Transgender der Demonstration an, nachdem deren geplanter Umzug Ende Juni von den Behörden verboten wurde.

Unter dem Motto

„Lass mein Image in Ruhe“

skandierten sie:

Wir werden nicht gehorsam sein, nicht schweigen und uns nicht fürchten. Wir werden durch Gegenwehr siegen“

denn:

„Wir wollen weiter Jeansshorts tragen“

die von vielen Männern als ungehörige Kleidung betrachtet werden. Erst im September 2016 hatte ein Mann eine Krankenschwester im Bus überfallen, weil er durch ihre Shorts gereizt war. Mit den Worten:

„Frauen die Shorts tragen, müssen sterben“

trat er der Frau mit roher Gewalt gegen den Kopf.

In der Türkei gestaltet sich das Leben für Frauen demnach sehr unterschiedlich. Es hängt davon ab, unter welchen ökonomischen, sozialen Bedingungen sie dort leben. Dennoch sind Frauen die am meisten offensiv unterdrückte gesellschaftliche Gruppe in der Türkei, obwohl 1923 mit der Einführung der Republik ihre rechtliche Gleichstellung festgelegt wurde.

Vielfach sind sie vom öffentlichen Leben fast gänzlich ausgeschlossen.

Die Übernahme des westlichen Modells gestattete Frauen seit 1925 den Schleier abzulegen. Doch wenn diese Reform seitdem auch ein Wahlrecht, Polygamie-Verbot, rechtliche Gleichstellung bei Eheschließungen, Scheidung, oder in Erb und Eigentumsfragen vorsehen, hatte dies in der Praxis bisher kaum Auswirkungen und keinen großen Einfluß auf das Leben der Frauen in der türkischen Gesellschaft.

Jede dritte Frau in der Türkei kann weder lesen noch schreiben.

Vor allem in den ländlichen Gebieten konnten Frauen ihre Gleichstellung nicht durchsetzen. Jede dritte Frau in der Türkei kann weder lesen noch schreiben. Um Achtung zu erlangen, müssen sie zahlreiche Kinder, vor allem Söhne gebären. Höchster Wert für Frauen ist die Ehre. Ihr Lebensweg ist genau vorgeschrieben. Entscheidungen werden für sie zuerst vom Vater und nach der Hochzeit vom Ehemann getroffen. Bei einigen Familien hat sie bis heute keinen Einfluss auf die Wahl des Ehepartners.

In den Städten ist die Lage der Frauen nur bedingt besser.

Fast jede zweite verheiratete Frau wird in der Türkei Opfer von Gewalt. Schuld sind vor allem traditionelle Denkmuster. Besonders wenn sie nicht „untertänig“ sein wollen, werden sie  Opfer von Gewalt, vor allem wenn sie ihre Rechte nutzen wollen.

Gewalt gegen Frauen ist zwar ein weltweites Phänomen, doch im internationalen Vergleich ist die Zahl von Gewalttaten gegen Frauen in der Türkei besonders hoch, trotz der Reformen, die in den vergangenen Jahren von der türkischen Frauenbewegung durchgesetzt wurden.

Während nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit jede dritte Frau Opfer physischer oder sexueller Gewalt durch ihren Partner erfährt, erduldet fast jede zweite verheiratet Frau in der Türkei physische oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner. Häusliche Gewalt ist ein hauptursächlicher Scheidungsgrund. Dem zur Folge erfuhren drei Viertel der geschiedenen Frauen Gewalt in ihrer Ehe, wie eine Studie des türkischen Familienministeriums von 2014 feststellte.

Zwischen 2010 bis 2015 wurden von der türkischen Frauenorganisation „We will Stop Femicides“ gut 1134 Frauenmorde gezählt. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde von den Ehemännern oder vorherigen Männern der Frauen begangen. Jeder fünfte Mord wurde verübt, weil die Frauen sich trennen oder scheiden lassen wollten.

Einer Untersuchung des Frauenverbandes Kamer entsprechend, nimmt die Gewalt deutlich zu. Demnach sind 2014 in der Türkei 260 Frauen vom Ehemann, Lebensgefährten oder einem Verwandten getötet worden. Im vorher vergangenen Jahr waren es 214.

Doch die Unterdrückung der Frauen hat in der Türkei viele Gesichter. Sie ist schlimmer und weitaus grausamer als in westliche Länder.

Durch die vielfach härteren Arbeitsbedingungen werden Frauen physisch unterdrückt. Ihre kulturelle moralische Unterdrückung wird oft als „Schicksal“ hingenommen oder verinnerlicht. Frauen sind wirtschaftlicher Ausbeutung wie auch gesellschaftspolitischer Unterdrückung unterworfen. Die in Industrieunternehmen oder der Staatsbürokratie tätigen Frauen, sind einer größeren Ausbeutung ausgesetzt als ihre männlichen Kollegen in gleichen Positionen.

Wenn sie ihre Arbeit verlieren, werden sie nicht in den offiziellen Arbeitslosenstatistiken erfasst, da man davon ausgeht, das sie sich wieder in ihre „normale“ Stellung als Hausfrau einfügen.

Ein weiterer Aspekt der Frauenunterdrückung ist der Tatsache geschuldet, dass Hausarbeit und Kinderfürsorge als selbstverständliche Aufgabe der Frauen angesehen wird. Selbst in der gesellschaftlichen Bildungsschicht werden Töchter oft durch das Aufbürden der Hausarbeit im Haus gehalten, um ihre Moral zu bewahren.

Junge Mädchen der türkischen Gesellschaft sollen nach traditionellen Wertvorstellungen erzogen werden. Sie müssen gehorchen und als Jungfrau in die Ehe gehen, weil die Ehre der gesamten Familie davon abhängt. Väter und Brüder wachen streng darüber, das Mädchen keinen Kontakt mit Jungen haben.

Sollten sich dennoch außereheliche Beziehungen anbahnen, finden sie im tiefsten Verborgenen statt. Da es praktisch keine sexuelle Aufklärung gibt, kann eine eventuelle Schwangerschaft unverheirateter Mädchen eine folgenschwere Katastrophe auslösen. Das verstoßen aus der Familie, das erzwingen einer Abtreibung, oder Selbstmord bis hin zum Ehrenmord sind die zu erwartenden Folgen, weil Familien nur selten verständnisvoll und liebend ihren „gefallenen Töchtern“ beistehen.

Eine Art der Unterdrückung von Frauen in der Türkei ist das Kinderkriegen „müssen“.

Es liegt nicht in der Entscheidung der Frauen, ob oder wieviele Kinder sie bekommen „wollen“. In der islamischen Kultur ist der Wert und das Ansehen einer Frau, neben dem Familienstatus, mit der ansteigenden Anzahl von ihr geborener Kinder verbunden. Dazu kommend haben Kinder vor allem in den ländlichen Gebieten, eine wirtschaftliche Funktion zu erfüllen. Frauen müssen oft mindestens solange Kinder zur Welt bringen, bis sie einen Sohn bekommen.

Abtreibung oder Verhütung gibt es daher so gut wie gar nicht.

Es ist zu befürchten, das durch die Re-Islamisierung der türkischen Gesellschaft die Situation der Frauen sich weiterhin verschlechtern wird. Der Islam liefert die Begründung dazu, Frauen in die untergeordnete Position zu manövrieren. Die islamische Hierarchie degradiert Frauen grundsätzlich zu Menschen zweiter Klasse. Zusätzlich machen islamisch fundamentalistische Einflüsse den Frauen das Leben schwer.

Das macht sich für die türkischen Frauen zunehmend mit Präsident Erdoğan nachhaltig negativ bemerkbar, dessen islamisch ausgerichtete Politik sich unaufhaltsam von Atatürks Erbe entfernt.

Abschließend eine Ausführung von Arzu Toker:

Im Osten des Jemen gab es den Ort Hadramut. Dort lebte der Stamm Kinde. Die arabischen Quellen, welche über Mohammeds Krankheit berichten schreiben, dass die Frauen dort ungeduldig auf die Nachricht vom Tod Mohammeds warteten. Als sie die erhielten, färbten sie ihre Nägel mit Henna, musizierten und tanzten dazu. Sie freuten sich und feierten, weil sie hofften, dass nun die Ära der Vernichtung der Freiheit und der Rechte der Frauen und ihre systematische Erniedrigung ein Ende haben würden. Der Nachfolger Mohammeds, Abu Bakr, aber ließ den Frauen und ihren Beschützern Hände und Füße abhacken und sämtliche Zähne ziehen.

Ich gedenke dieser Frauen von Hadramut mit großer Hochachtung.

Lasst uns daran arbeiten, dass ihre Hoffnungen endlich Realität werden. Anderthalb Jahrtausende schon haben die Wahnideen dieses archaischen Gotteskriegers Mohammed die Hirne der Menschen vernebelt und weltweit Unfrieden gestiftet. Es ist an der Zeit, diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten. (Arzu Toker)

*****

 

Quellen:

https://de.sputniknews.com/panorama/20170730316807818-istanbul-frauen-demo/

https://de.sputniknews.com/panorama/20160928312741991-tuerkei-haft-uebergriff-frau-shorts/

https://www.nadir.org/nadir/periodika/widerstand/archiv2.htm

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/tuerkei-erdogan-rede-gleichberechtigung

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/gewalt-gegen-frauen-in-der-tuerkei-14162187.html

Weiterführende Informationen hier

 

Ein Kommentar zu „Frauen in der Türkei: Unterdrückt, Geschlagen, Ermordet

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