Allgemein · Feuilleton · Gesellschaft · Migration

Als ein Asylant meine Wohnung kaufen wollte

Ein Beitrag von Petra Raab:

Vor geraumer Zeit hat mein Mieter beschlossen meine Wohnung zu verkaufen und deshalb muss ich die Kaufinteressenten meiner Wohnung ab und zu in meine Wohnung lassen.

Da ich jedoch sehr viel Wert auf meine Privatsphäre lege und nur denjenigen meine Privateinrichtungsgegenstände zeige, die ich persönlich dafür auswähle, packe ich meine ganzen Sachen die ich ansonsten in meiner 28 qm Wohnung fein korrekt verteilt habe alle auf einen Haufen und schmeiße ein paar Bettlaken darüber, so dass ich auch bei diesen Besichtigungsterminen noch das Gefühl habe, Herr in meiner eigenen Wohnung zu sein.

Da sich für eine 28 qm Wohnung nicht so viele Kaufinteressenten finden, haben sich in letzter Zeit jedoch nur zwei Menschen dafür eingefunden, ein Deutscher der eine Kapitalanlage suchte und ein schwarzafrikanischer Asylant.

Selbstverständlich weiß man das nicht, wenn die Maklerin zu einem sagt, dass sie einen neuen Kaufinteressenten hat und deshalb schaut man zwar etwas, wenn die Maklerin mit einem Schwarzafrikaner daherkommt der kein einziges Wort deutsch kann, doch man denkt sich, vielleicht ist es ein Schwarzafrikaner der gerade hier als Arzt oder Ingenieur angefangen hat und deshalb so viel Geld hat, um sich eine eigene Wohnung in Deutschland zu kaufen, in der man selbst seit über 5 Jahren zur Miete wohnt.

Etwas skeptisch machte mich nur, dass er so eine kleine Wohnung dafür aussuchte, weil normalerweise die eigenen Verwandten irgendwann aus Afrika nachkommen sollen, insbesondere wenn man so viel Geld hat, dass man sich eine Eigentumswohnung in Deutschland leisten kann.

Trotz dieser Gedanken blieb ich bis dahin freundlich und ließ ihn meine vollkommen zugedeckte Wohnung ansehen die in diesem präparierten Zustand aussah, als ob ich bereits ausgezogen wäre.

Von meinen Privatsachen konnte er also nicht viel sehen, denn selbst die Schränke behängte ich mit Bettlaken. Das Einzige was ich etwas frei ließ war mein Esszimmerstuhl, auf den er sich dann auch promt mit seiner Hand anlehnte, was mir sehr missfiel. Das nächste Mal decke ich alles zu. Es ist wirklich erstaunlich, dass die Menschen immer meinen das Privateigentum eines anderen anfassen zu müssen, selbst wenn es augenscheinlich so aussieht, dass er das nicht will.

Was den Schwarzafrikaner am Meisten in meiner Wohnung interessierte war eine Niesche in der mein Kleiderschrank stand, bei der er dachte, dass es dort noch weiterging. Er war kaum zu halten, um nicht in meinen Kleiderschrank zu klettern, weil er dachte dahinter verbirgt sich eine Geheimtüre oder ein geheimer Raum, den ich vor ihm versteckt hielt.

Als er dann noch fragte, ob mein Stromkasten ein Tresor ist, verging selbst mir das Lachen.

Zum Schluss unserer Besichtigungstour gingen wir dann noch in den Keller und auch dort war das Einzige was ihn interessierte, ob die Sachen im Keller alle mir gehörten. Ich war auf jeden Fall sehr froh, als diese merkwürdige Wohnungsbesichtigung endlich wieder vorbei war. In meiner Wohnung lebe ich, ein halbes Jahr später, immer noch.

*****

 

Quelle: Petra Raab Blogspot

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s